Ein Autounfall, zitternde Hände – und trotzdem ins Büro?

Ich lernte Christiane am Lago Maggiore kennen. Abteilungsleiterin bei einem großen deutschen Automobilhersteller.

Beim Frühstück erzählte sie mir von einem Autounfall. Rückfahrt von einer
Dienstreise. Später Nachmittag. Abends noch ein Meeting, das sie leiten sollte.
Ein paar Sekunden unaufmerksam. Ein Knall. Airbag. Schock.

Und dann tat sie etwas, das für mich viel über unsere aktuelle Zeitqualität
sagt:
Nach der Unfallaufnahme fuhr sie, am ganzen Körper zitternd und völlig
fertig, direkt ins Büro – um das Meeting zu leiten.

Auf meine Frage, was sie denn so antreiben würde, antwortete sie:

„Wir stecken in einem historischen Transformationsprozess. Der Change hin zur Elektromobilität, die Künstliche Intelligenz und die Digitalisierung sind enorme Herausforderungen und müssen in kurzer Zeit gelingen. Einige Wettbewerber sind uns deutlich voraus sind. Der Druck von oben ist enorm.“

„Und weißt Du,“ ergänzte sie, „Leistung war in meiner Familie immer wichtig. Mein Vater sagte schon als Kind zu mir, wer was leistet, wird anerkannt.“

Vielleicht denkst Du: Extremfall. Oder: Nicht belastbar. Ist es nicht.

Ich begegne in meiner Arbeit vielen Unternehmern und Führungskräften, die genau so leben: extrem leistungsorientiert und dabei sich selbst verlierend, ja selbstzerstörerisch, aber auch längst an einem Punkt, an dem sie wissen,
dass es so nicht weitergeht.

Ich verstehe, dass es schwierig ist, die richtige Balance zu finden. Wirtschaftliche Unsicherheiten, Künstliche Intelligenz und wachsende Komplexität erhöhen den Druck auf Unternehmen und Menschen.

Aber viele reagieren darauf mit noch mehr Anpassung, noch mehr Leistung und suchen Sicherheit in Kontrolle, Effektivität und Durchhalten.

Diese Sehnsucht nach Stabilität und Sicherheit erfüllt sich aber nicht im
Außen. Dort sind Veränderung, Transformation und Krisen die Normalität. Es kann dort keine Sicherheit oder Stabilität geben.

Wahre Sicherheit finden wir nur in uns selbst. Viele wissen das.
Aber sie können oder wollen da nicht hin. Weil sie es entweder nicht gelernt haben oder aus Angst, sich selbst zu begegnen.

Sich selbst, andere und das Leben auf einer tieferen Ebene besser zu verstehen und gut vorbereitet die magische Reise zu sich selbst zu beginnen oder fortzusetzen…

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SCHEISS AUF DIE KRISE

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